Kein Recht auf Ethikunterricht

Veröffentlicht: Oktober 27, 2011 von C.R. in Bildungspolitik
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[…] Das Freiburger Verwaltungsgericht vertritt in seiner nun veröffentlichen Entscheidung (Az.: 2 K 638/10) jedoch die Auffassung, dass das Grundgesetz in Artikel 7 Absatz 3 den Religionsunterricht explizit privilegiert und dadurch eine Ungleichbehandlung erlaubt. Quelle zum Weiterlesen: Peter Mühlbauer auf Telepolis 27.10.2011

Kommentar: Folgender Punkt der Urteilsbegründung ist zweifelhaft:

„Abstrakte Diskussionen über ethische Problemfelder“ wären Grundschülern nach Ansicht der Richter „nur schwer verständlich und erweisen sich daher erst ab einer höheren Altersstufe als sinnvoll“. (ebd.)

Man kann auch ethische Probleme diskutieren und problematisieren ohne abstrakte Theorien zu bemühen, wie das Fach Praktische Philosophie in NRW zeigt. Wenn man Rechnen unterrichten kann, ohne abstrakte Mathematik zu lehren, warum soll das in einem Praktischen Philosophie- oder Ethikunterricht nicht möglich sein? Gerade Praktische Philosophie und Ethik erlauben lebensnahe Diskussionen. In einer demokratischen, pluralistischen Gesellschaft sollten sich Kinder mit Wertfragen in der Schule auseinandersetzen können, ohne dazu die Legitimation durch religiöse Glaubenssätze zu bedürfen. Didaktische Forschung zum Philosophieren mit Kindern zeigt, dass man auch in der Grundschule die Kinder nicht überfordert, wie z.B. auch eine Studie der UNESCO bestätigt. Denn es geht hier um praktisches Philosophieren in lebensweltlichen Kontexten und nicht darum sich systematisch philosophisches Wissen anzueignen.

Kommentare
  1. zeit.punkt sagt:

    Neben der Tatsache, dass ethische Probleme durchaus kindgerecht besprochen werden können, möchte ich noch auf einen anderen Punkt hinweisen, der in diesem Zusammenhahg zu diskutieren ist:
    Meines Erachtens darf ein demokratisches Land in öffentlichen Bereichen keiner Religion den Vorzug geben, erst recht nicht im Bildungswesen. Deshalb kann es für mich nicht sein, dass katholischer oder evangelischer Religionsunterricht in der Schule angeboten wird, ohne dass ausreichend Angebote für andere Religionen gemacht werden. Die für mich logische Konsequenz aus dieser Tatsache ist die Abschaffung des Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen. Religion ist Privatsache und gehört für mich nicht an eine öffentliche Bildungsinstitution, erst recht nicht, wenn ein Ungleichgewicht zwischen den Religionen vorliegt.
    Die einzig sinnvolle und gerechte Lösung ist meines Erachtens eine von Religionen unabhängige Normen- und Werteerziehung wie es der Ethik – oder Philosophieunterricht leistet. Hier können nicht nur gesellschaftliche und soziale Werte vermittelt, sondern durchaus auch Werte und Normen der unterschiedlichen Religionen gleichbedeutend besprochen werden.

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