NRW-Wahl 2012: Wie stehen die Parteien zur Ökonomisierung der Bildung?

Veröffentlicht: April 24, 2012 von C.R. in Ökonomisierung der Bildung, Bildungspolitik, G8 - Schulzeitverkürzung, PISA

Seit einiger Zeit findet eine Reform unseres Bildungswesens statt hinsichtlich marktrationaler Kriterien, welche von kritischen Stimmen aus der Pädagogik als Ökonomisierung der Bildung bezeichnet wird. Hierbei stehen Effizienz und Effektivität als messbare Kategorien im Forderung – Persönlichkeitsbildung, weil eben nicht messbar, droht dabei vernachlässigt zu werden. Ich beschränke mich hier auf den schulischen Bereich und spare die Hochschule aus.

Als sichtbarste Veränderungen von Schule können genannt werden: Vergleichsstudien, welche mittels kompetenzformulierten Bildungsstandards das Bildungssystem evaluieren sollen, sowie die Verkürzung der Schulzeit wodurch die Schülerinnen und Schüler schneller auf den Arbeitsmarkt kommen und der Einfluss von Unternehmen durch Schulsponsoring. Hinsichtlich dieser Kriterien habe ich die Wahlprogramme zur NRW Wahl der „größeren“ Parteien durchsucht und deren Positionen aufgelistet. So kann man sich ein Bild davon machen, wie die einzelnen Parteien zur Ökonomisierung der Bildung stehen. Zu einer einführenden kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema der Ökonomisierung der Bildung empfehle ich die Arbeiten von Jochen Krautz: Bildung als Anpassung und Wa(h)re Bildung.

Es folgt ein Vergleich der Wahlversprechen der „größeren“ Parteien bezüglich der NRW Wahl basierend auf deren Wahlprogrammen.

Wie stehen die Parteien zu dem Steuerungsinstrumenten Zentralabitur (und oder anderen Vergleichsarbeiten) und kompetenzorientierten Bildungsstandards?

CDU: Keine Stellungnahme

Die Grünen:

„So, wie das Zentralabitur gestaltet ist, ist es zu einer Engführung der Lerninhalte gekommen. In den Schulen herrscht das „Lernen für den Test“ vor. Um diesen negativen Trends entgegenzuwirken, wollen wir weniger zentrale Aufgaben in den Abiturprüfungen. Außerdem müssen die Fachlehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler aus einem größeren Pool kompetenzorientierter, gleichwertiger Aufgaben auswählen können. “

Die Linke:

„Die Kommerzialisierung und Privatisierung schreitet auch im Schulsystem immer weiter voran. Die Vergleichsarbeiten (VERA) in der Grundschule, die Lernstandserhebungen (LSE) in der achten Klasse, zentrale Prüfungen in der Klasse 10 und das Zentralabitur sind nur einige Bausteine, mit denen die schwarz-gelbe Landesregierung das Bildungssystem den Wirtschaftsinteressen angepasst hat.“

„Der Fokussierung der Schulen auf rein abfragbares Wissen, wie es PISA, die Lernstandserhebungen und zentrale Prüfungen tun, wollen wir entgegenwirken.“

„Zunehmend dreht sich die Diskussion seit geraumer Zeit um Preis und Leistung und Verwertbarkeit von Bildung statt einer pädagogischen Debatte über die Entwicklungschancen von Kindern. Der Mensch wird dabei nicht gebildet, sondern seine Kompetenzen werden für globale Märkte optimiert. “

FDP: Keine Stellungnahme.

SPD: Keine Stellungnahme.

Piratenpartei: Keine Stellungnahme

Wie viele der auf diesem Blog versammelten Artikel belegen, gibt es keine pädagogischen Gründe für die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre (G8) sondern nur wirtschaftliche, somit kann G8 als ein Mittel gesehen werden, um Schule unter das Diktat der Ökonomie zu stellen und auf mehr Output Effizienz = Anzahl der SchülerInnen pro Zeit auszurichten. Was sagen die einzelnen Wahlprogramme dazu?

CDU: Keine Stellungnahme zu G8.

Die Grünen:
„Der zwölfjährige Weg zum Abitur kann der Regelfall sein, die Schulen sollen aber in Abstimmung mit den Eltern und der Kommune entscheiden können, ob sie die Schülerinnen und Schüler erst nach 13 Jahren zum Abitur führen.“

Die Linke:
„DIE LINKE NRW lehnt die Schulzeitverkürzung in Form des achtjährigen Gymnasiums (G8), die jetzt von CDU/SPD/FDP/GRÜNEN gemeinsam getragen wird, ab.“

FDP: Keine Stellungnahme.

SPD: Keine Stellungnahme.

Piratenpartei:
„Ein flexibles Kurssystem löst zahlreiche Probleme des existierenden Klassensystems. Mangelhafte Leistungen in einer bestimmten Zahl von Fächern haben nicht mehr die Wiederholung der ganzen Klasse zur Folge, sondern lediglich die Wiederholung der mangelhaft abgeschlossenen Kurse. Umgekehrt werden besonders leistungsfähige Schüler nicht mehr unterfordert oder zum Überspringen einer ganzen Klasse gezwungen, sondern können Kurse wählen, die ihrer Leistungsfähigkeit entsprechen. Der Übergang in die Sekundarstufe II erfolgt fließend, sobald die entsprechende Zahl von Kursen der Sekunderstufe I erfolgreich abgeschlossen wurde. Damit wird auch die Problematik von G9 und G8 vermieden. Wenn mehrere Kurse derselben Leistungsstufe angeboten werden und der Schüler den Kurs und damit auch den Lehrer frei wählen kann, werden überdies viele Probleme vermieden, die daraus entstehen, dass die Schüler keinen Einfluss darauf haben, welche Lehrkraft sie unterrichtet.“

Wie stehen die Parteien zu Schulsponsoring?

CDU: Keine Stellungnahme

Die Grünen:  Keine Stellungnahme

Die Linke:  „Wirtschaftsinteressen und Schulsponsoring haben in Bildungseinrichtungen nichts zu suchen.“

FDP: Keine Stellungnahme.

SPD: Keine Stellungnahme.

Piratenpartei: Keine Stellungnahme

Anmerkung: Sollte ich etwas vergessen haben: Bitte melden! Es würde dann ergänzt werden.

Quellen: CDU, Die Grünen und „update2012“, Die Linke, FDP, SPDPiratenpartei,

Kommentare
  1. […] mit der Durchsicht der Wahlprogramme noch suggeriert, dass das Thema der “Ökonomisierung der Bildung” nur im linken […]

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