Bildung als Ware – ein Missverständnis

Veröffentlicht: Februar 2, 2013 von C.R. in Ökonomisierung der Bildung, Bildungspolitik

In Bildung als Ware war einmal“ behauptet SZ Autor Johann Osel, dass Bildung mit Abschschaffung der Studiengebühren keine Ware mehr ist. Dies ist leider falsch, denn Studiengebühren sind nur die Spitze des Eisberges und ihre Abschaffung bedeutet leider nicht „Bildung als Ware war einmal“. Neben den Studiengebühren wurde im Zuge der neoliberalen „Ökonomisierung der Bildung“ durch die Etablierung von mehr Wettbewerb durch Rankings wie das CHE oder die Umstellung auf BA/MA ein umfassender Umbau der Hochschulen durchgeführt.  Dadurch sind Universitäten nun nicht mehr primär Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen sondern Unternehmen (vgl. dazu das DLF Interview mit Dr. Matthias Burchardt).

Bildung ist keine Ware – dass bedeutet mehr als „nur“ einen freien Hochschulzugang, das heißt vor allem, dass Bildung nicht in ökonomische Zweck-Mittel-Kalkülen aufgeht. Bildung ist mehr als Ausbildung, um später Geld zu verdienen. Hochschulbildung bedeutet ein zweckfreie Auseinandersetzung mit einer wissenschaftlichen Frage bei der Erkenntnis und nicht verwertbarer Nutzen im Vordergrund steht. Der unternehmerischen Hochschule geht es aber um wirtschaftliche Effizienz (vgl. dazu: Jochen Krautz:  Ökonomismus in der Bildung: Menschenbilder, Reformstrategien, Akteure). So wird für Professoren die Einwerbung von Drittmitteln immer wichtiger. Dadurch wird aber die Forschung abhängig von Drittmittelgebern, welche dann vorschreiben „was erkannt werdenden darf“. Forschung dient dann nicht mehr dem Allgemeinwohl sondern den geldgebenden Konzernen (vgl.  KSTA: Uni Köln:Bayer-Vertrag bleibt geheim).
 
Diese Probleme ergeben sich, wenn man Bildung als Ware versteht und diese sind unabhängig von der Abschaffung der Studiengebühren. Deswegen muss der Staat zwar mehr Geld in die Bildungsinstitutionen investieren – aber nicht weil Bildung eine Resource ist, sonder um eine zweckfreie Bildung und somit eine von der Wirtschaft unabhängige Wissenschaft zu ermöglichen. Das Bildung keine Resource ist wurde offenbar auch von SZ-Autor Johann Osel nicht verstanden, da er sich selbst widerspricht, wenn er schreibt, dass Bildung keine Ware ist und gleich darauf fordert: „Ein Staat, dessen Rohstoff der Geist ist, muss in die Köpfe investieren“ [vgl.].

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