Ich bin der Schreibtisch von …

Veröffentlicht: Oktober 10, 2014 von C.R. in Gedankenrauschen
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Wo ist er denn – wo bleibt er denn? Es gibt einiges, wirklich viel zu tun und was morgen ist, weiß man nicht. Hier liegen noch einig Bücher – übereinander, untereinander aufgeschlagen, runtergefallen neben Blättern und was ist das eigentlich – müsste auch noch abgeheftet und sortiert werden – aber das ist langweilig und braucht man wahrscheinlich eh nicht mehr, bevor es in einem Ordner auf nimmer wieder sehen verschwindet, könnte es auch in den Müll – aber man weiß es nicht.

Zwei Tassen die stehen hier noch rum. Die Kaffeetasse ist gerade gefüllt worden, das Gehirn und der Laptop fahren gerade hoch, dann kann es ja gleich los gehen – womit? Doch noch mal einen Plan erstellen? Den Letzten hat er nach 5 Minuten verworfen oder einfach nur ignoriert. Nur wer einen Plan hat kann sich verplanen? Denkste – ein bisschen mehr Struktur würde ich empfehlen oder auch nicht, weil dann nörgelt er, dass ihn das eh nur einengt. Gut, gut beginnen wir damit den Text von Gestern zu lesen – ja das hält auf, geht nicht mal soeben – man kommt aber wieder rein: da muss einiges umgeschrieben werden, noch mal genauer nachgelesen und jetzt versteht er wieder etwas nicht. Hey, dass hast du doch selbst geschrieben. Klasse jetzt interpretiert er sich selbst. Was wollten wir heute noch? Ach ja das Kapitel – war da nicht noch: Stopp nicht im Internet surfen – nicht: du glaubst du schaust nur eben-mal-gerade was nach was-irgendwie-mit-deinem-Thema zu tun hat – von wegen du verlierst dich. Erstmal Kaffee kochen, mit den Kollegen reden – Abstand nehmen – in der Ruhe liegt die Kraft. Muße ist nicht effizient und das Chaos um mich herum ist keine Unordnung sondern Atmosphäre. Der Termin fürs Mittagessen steht, dann können wir ja jetzt weiterarbeiten. Die Deadline, mit den Kollegen Essen gehen, ist unser Strukturelement.

Wenn er jetzt wieder mehr liest ist er heute Abend schlechter gelaunt, als wenn er schreiben würde. Das Mailprogramm ist mittlerweile ausgeschaltet, gut kommt eh nur Mist rein, anderseits müsste man doch so diszipliniert sein und nicht jedem Fiepen nachgehen. Jetzt ärgert er sich wieder über einen unverständlichen Text – immer diese Autoren die mehr Wert auf einen guten sprachlichen Ausdruck als auf Klarheit legen. Die Fernleihe scheint wichtig, man müsste Zeit finden sie einzuscannen. Gut er schreibt, dann wird das heute Abend doch noch ein versöhnlicher Abschied.

Das Mittagessen ist vorbei, erstmal Kaffee – gleich muss er fürchten, ob die nächste Tasse hibbelig oder doch noch mal wach macht. Immerhin gelesen und geschrieben. Aber jetzt kommt er nicht weiter. Der Autor drückt sich immer noch wirr aus. Suchen wir nach Sekundärliteratur. Da lagen doch schon zwei Bücher -hier drüben schau mal … wärmer…wärmer – heiß! Ok, das ist auch nicht ganz klar, wie meinen die das. Können die das nicht mal definieren. Dann kritisieren wir eben genau das und schreiben ein vorläufiges Verständnis auf – oder noch besser: Brauchen wir das überhaupt für unsere Theorie? Wo sollte es noch mal hingehen? Was war die Konklusion? Nicht so ganz oder. Aber vielleicht doch und ausserdem wäre es schon gut einen ZENTRALEN Begriff verstanden zu haben. Ok, also aufschreiben, auch wenn es nachher nicht mehr interessiert. Oder sollte er doch noch mal die Sekundärliteratur, ja den Text von eben bemühen – aber der schien nicht so relevant – aber richtig verstanden hattest du den auch nicht, also wie kannst du das beurteilen. Dann doch noch mal gründliche lesen, ja keine Lust, aber ohne ihn weitermachen ist auch unbefriedigend.

Ok der Abschnitt, den hast du jetzt verstanden, da lässt sich ein Argument rausziehen und das passt auch zu den beiden anderen Aufsätzen. Noch immer nicht ganz klar meinst du, schreib es erstmal auf und dann schauen wir mal weiter. Klingt doch ganz gut, anderseits das hier ist nicht gut begründet und auch noch sehr Voraussetzungsreich – wenn man das sauber ausbuchstabiert, dann macht man gleich ein ganzen Fass auf, lass es lieber – das führt zu weit, zu weit weg von deinem Thema. Eine kompakte Darstellung des Problems und Verweise in die Fussnote. Dazu sind sie ja da. Nein, das wird dann kein Fussnotenroman – ist eher ein Gedanken-Outsourcen. Also rein damit. Da müssten wir aber jetzt noch mal mehr lesen, wenn wir nicht oberflächlich werden wollen – Ok, schreib dir einen Kommentar an die Textstelle und verschieb es auf später. Ja, das sieht doch gut aus. Hey was machst du da? Wie nur kurz – Fingerweg vom Internet! Übrigens Frau und Kind warten – ja jetzt bist du auf einmal drin – dummgelaufen man kann halt nicht in Stundentafeln denken: Notizen für morgen und packen. – Ach lass liegen, Aufräumen ist schlecht für die Atmosphäre.

Kommentare
  1. Julia sagt:

    Sehr schön geschrieben🙂 …

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