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854-3„Wozu brauchen wir das?!“ als ernsthafte Schüler_innen Frage irritiert sie Lehrer_innen im Philosophieunterricht. Die Frage führt scheinbar zu der paradoxen Situation, dass man sie nur befriedigend für Schüler_innen beantworten kann, sobald man hinsichtlich des fachlichen Anspruchs unaufrichtig ist.

„Wozu brauchen wir das?!“ fragt nach einem Gebrauch, einem Nutzen. Es geht um ein prozessuales Wissen-wie und nicht um propositionales Wissen-dass. Würde sich die Frage „Wozu brauche ich das?!“ auf die Methoden der Philosophie beziehen, wäre sie einfach beantwortet: Man braucht diese Methoden, um philosophische Einsichten zu generieren. Aber das scheint die Frage nicht zu meinen. Vielmehr fragt sie nach einem Nutzen jenseits des Philosophierens, einem Nutzen für den Alltag, für das berufliche Leben nach der Schulzeit. Eine zeitgemäße Antwort wäre der Verweis auf einen spezifischen oder allgemeinen Kompetenzzuwachs, jedoch droht gerade dieser Ansatz den Wert philosophischer Bildung zu verfehlen. Worin dieser Wert liegt und wie er in der pädagogischen Praxis eingelöst werden kann, diesen Fragen geht dieser Aufsatz nach.

Der Aufsatz ist jetzt hier erschienen:

Roeger, Carsten (2016): Was nützt philosophische Bildung? In:  Stephan Geuenich et. al.:  Wozu brauchen wir das? Bildungsphilosophie und pädagogische Praxis, Verlag Westfälisches Dampfboot

 

Einen Überblick vermittelt auch das Inhaltsverzeichnis.

Mit meinem Kommentar weise ich auf fachliche Defizite des kompetenzorientierten Lehrplanentwurfs Praktische Philosophie Grundschule NRW hin. Der Entwurf versucht zwar philosophische und humanistische Ansprüche mit dem politischen Desiderat der Kompetenzorientierung zu vereinen – und ich werte dies als ein subversives Unterlaufen der ministerialen Vorgaben und als Widerstand gegen Tendenzen der Ökonomisierung der Bildung zu Gunsten der pädagogischen Freiheit. Dieser Widerstand kann aber, so meine Einschätzung, genau dann am besten gelingen, wenn man die fachlichen Methoden und Inhalte explizit ausdifferenziert, da diese dann verhindern könnten, dass Praktische Philosophie auf ein sophistisches Denk- oder Methodentraining durch eine einseitige Kompetenzorientierung reduziert wird. Insofern stellt mein Kommentar einen Versuch dar eine interpretierte subversive Absicht des Lehrplanentwurfs durch das Desiderat der Stärkung der Fachlichkeit zu unterstützen.

Der ganze Artikel kann frei zugänglich auf pedocs abgerufen werden: Philosophie – ein Kinderspiel? Zugänge zur Philosophie in der Primarstufe. Tagungsband zur Fachtagung am 07. Dezember 2013 in Köln, S.76 ff.