Archiv für die Kategorie ‘Didaktik’

Nun war ich innerhalb von einer Woche auf zwei philosophiediaktischen Tagungen und bin von beiden begeistert. Es hat gut getan mit vielen kritischen Kollegen streitbar aber stets sachlich zu diskutieren. Hinzukommt, dass meine beiden pädagogisch-didaktischen Schwerpunktsthemen: Die Ökonomisierung der Bildung und das Problem der Kompetenzorientierung im Philosohieunterricht auf den Tisch gekommen sind.

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Die maßgeblich von der OECD beeinflusste Kompetenzorientierung nach Weinert (2001) und Klieme et al. (2009) gilt inzwischen auch in der Philosophiedidaktik als Paradigma. Wegen ihrer hohen Anfangsplausibilität blieb sie weitestgehend unwidersprochen, denn sie scheint nach Rösch (2009) und Tiedemann (2014) genau das zu meinen, was Anliegen philosophischer Bildung ist: eine Orientierung im Denken. Gegen diese Position vertrete ich die These, dass Kompetenzorientierung Philosophieren verhindert. Zur Stützung dieser These wird erstens eine bildungsphilosophische Argumentation entfaltet und zweitens werden Konsequenzen für die Unterrichtspraxis aufgezeigt.

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In der Schule sollen Jugendliche zur Selbständigkeit erzogen werden – auch beim Lernen. Es macht aber einen großen Unterschied, ob Schüler selbstgesteuert oder autonom lernen. Was wie Wortklauberei klingt, ist in Wahrheit die Wahl zwischen zwei Lernkulturen. Weiterlesen auf Bildungslücken (Gastartikel) 

Hattie – und kleine Klassen sind doch wichtig!

Veröffentlicht: Juni 25, 2014 von C.R. in Didaktik
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Gerade komme ich aus einem Workshop mit Klaus Zierer, der die bekannte Studie John Hatties „Visible Lerarning“ ins Deutsche übersetzt hat. Die Hattie-Studie wird gerne in Presse und Politik herangezogen, um bildungspolitische Entscheidungen zu legitimieren, ohne dass dabei wirklich eine kritische, inhaltliche Auseinandersetzung stattfinden würde. Zierer sprach diesbezüglich von einem „Fast-Food Hattie“.

Gerade zwei Äußerungen fand ich diesbezüglich besonders spannend: Wenn man der Methodik der Meta-Analyse zustimmt, dann hat Hattie u.a. nachgewiesen, dass nichts so entscheidend für guten Unterricht ist, wie die Lehrerpersönlichkeit und eine gute, professionelle Beziehung zwischen Lehrern und Schülern.  Dem gegenüber scheint die oft nach Hattie zitierte Aussage zu stehen, dass kleinere Klassen keinen Effekt für besseren Unterricht hätten (vgl. z.B. ZEIT-ONLINE). Dies widerspricht nicht nur der Erfahrung vieler Schulpraktiker und Schülern – Hattie hat dies auch nicht gesagt.  Hattie weist nur nach, dass eine alleinige Reduzierung der Klassengröße keinen Effekt erzielt. Aber dies hat auch niemand ernsthaft behauptet. Selbstverständlich kann man auch in kleinen Klassen schlecht unterrichten. Wohl aber sind kleine Klassen eine Voraussetzung für bessere Schüler-Lehrer-Interaktion und eben auch für eine intensivere professionelle-personale Beziehung zwischen Schülern und Lehrern. Und diese haben wiederum einen messbaren Effekt für den Lernerfolg.

Ferner ist aber nicht nur der Lernerfolg entscheidend für gelingenden Unterricht oder gar eine gute Schule. Ebenso wichtig sind die Fragen: Was ist eine freudvolle Schule: Erleben Schüler eine erfüllte Lebenszeit und entwickeln sie Leidenschaft für ein Fach? Oder wird der Lernerfolg auf Grund von Drill erkauft? Grundschulen in China, so Zierer, haben nicht nur eine sehr hohe Effektstärke für den Lernerfolg, sondern auch die höchste Selbstmordrate unter Grundschülern. Weiterhin kann man nach der kulturellen Passung der Schule fragen: Warum sind Pädagogik und Philosophie keine Kernfächer und warum werden stattdessen MINT Fächer so stark gefördert? In einer technischen Lebenswelt ist natürlich physikalisches Wissen wichtig – etwa hinsichtlich aktueller Ereignisse wie dem Ausstieg aus der Kernenergie. Aber genau so wichtig ist es Kinder auf ihre Rolle als Eltern vorzubereiten und sich ethische zu orientieren.  Diese Fragen, so Zierer, sind bedeutsam für eine gute Schule, aber auf sie kann die Hattie-Studie keine Antwort liefern.

Einen Vortrag von Klaus Zierer zur Hattie Studie kann man sich hier ansehen.